Sonja Spichtig Grünvogel
Sie sind Geschäftsführerin der Anlagestiftung Swiss Life, welche mit einem Vermögen von 22,1 Milliarden Schweizer Franken eine der grössten Anlagestiftungen der Schweiz ist. Sind Sie dort angekommen, wo Sie immer hinwollten?
Eine spannende Frage… Als Kind wollte ich Bundesrätin oder Ärztin werden und jetzt bin ich seit bald vierzig Jahren in der Finanzindustrie. Ich bin froh um meine damalige Entscheidung und dankbar für das Wissen, das ich mir angeeignet habe. Ich treffe fundierte Entscheidungen in Geld- und Kapitalanlagen und kenne mich in der Altersvorsorge gut aus. Das institutionelle Umfeld gefällt mir und ich habe grossen Spass an meiner Funktion. Die komplexe BVG-Materie finde ich spannend und der tägliche Austausch mit internen und externen Anspruchsgruppen ist sehr bereichernd. Insofern kann ich Ihre Antwort mit «Ja» beantworten.
Wie erleben Sie als Frau die von Männern überproportional besetzte Finanzbranche?
Die Finanzbranche hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel erlebt. Vor 15 Jahren fragte man meine Mitarbeitenden noch, ob es in Ordnung sei, eine Frau als Chefin zu haben (lacht). Damals hatte ich oft das Gefühl, härter als meine Kollegen arbeiten zu müssen, um meine Position zu rechtfertigen. Trotz allem habe ich mich in diesem Umfeld immer wohlgefühlt, viel gelernt und von der Zusammenarbeit profitiert. Heute ist das Verhältnis deutlich ausgeglichener, auch wenn wir von echter Parität noch ein Stück entfernt sind. Am Ende sollte allein die Leistung zählen – nicht das Geschlecht.
Die PKS ist bei der Anlagestiftung Swiss Life in Immobilien Schweiz ESG investiert. Nachhaltigkeit steht nach Angaben von Swiss Life seit Firmengründung 1857 im Zentrum des Tuns. Wie beurteilen Sie diese Aussage?
Wir setzen uns dafür ein, die Treibhausgasintensität unseres Immobilienportfolios spürbar zu reduzieren und das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen – durch CO2-effiziente Neubauten, umfassende Sanierungen und intelligente Optimierung im Betrieb. Konkrete Massnahmen umfassen hauptsächlich den Ersatz fossiler Heizsysteme durch nachhaltige Alternativen, die energetische Verbesserung von Gebäudehüllen sowie die Installation von Photovoltaikanlagen.
«Das Drei-Säulen-System als Pflichtstoff in den Schulen wäre am nachhaltigsten.»
Den institutionellen Anlegern wird vorgeworfen, Immobilienpreise in die Höhe zu treiben und daraus unbezahlbare Mieten mitzuverantworten. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?
Die Situation am Wohnungsmarkt ist angespannt, vielerorts hinkt das Angebot der Nachfrage hinterher. Dadurch steigen die Angebotsmieten. Institutionelle Investoren können mit der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum einen aktiven Beitrag zur Linderung der Wohnungsknappheit und damit zur Dämpfung der Mietpreisentwicklung leisten. Pensionskassen haben zudem eine grosse Verantwortung gegenüber ihren Leistungsnehmern. Investitionen in Immobilien ermöglichen stabile und langfristige Erträge, mit denen die Renten und Leistungsversprechen auch über Jahrzehnte hinweg eingehalten werden können.
Für viele Versicherte befindet sich ihr grösster Vermögensteil in der eigenen Pensionskasse. Gemäss Raiffeisen-Vorsorgebarometer verharrt jedoch der Wissensstand über die zweite Säule auf einem tiefen Niveau: Was könnten die Pensionskassen anders machen?
Die Pensionskassen leisten bereits viel, um die Kommunikation mit ihren Destinatären zu verbessern. Ich befürworte eine generationengerechte und einfach verständliche Kommunikation. In Zukunft können Digitalisierung und künstliche Intelligenz dabei eine wertvolle Unterstützung bieten. Am nachhaltigsten wäre jedoch ein anderer Schritt: die Vermittlung des Drei-Säulen-Systems als Pflichtstoff in den Schulen – damit finanzielle Vorsorge von Anfang an selbstverständlich wird.
Sonja Spichtig Grünvogel ist seit Oktober 2025 Geschäftsführerin der Anlagestiftung Swiss Life. Zuvor war sie neun Jahre Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen. Zudem engagiert sie sich strategisch als Bankrätin der Obwaldner Kantonalbank. Sie hat ein Lizenziat in Wirtschaftswissenschaften der Universität Zürich und ist diplomierte Pensionskassenleiterin.
Die PKS ist bei der 22,1 Milliarden Franken schweren Anlagestiftung Swiss Life mit knapp 68 Millionen Franken in Immobilien Schweiz ESG investiert.
Weitere Erfolgsgeschichten
Bruno Boccaletti
Bruno Boccaletti (63) ist zwar noch als Produzent bei RSI angestellt, aber gleichzeitig auch schon Teilzeitrentner. Als Babyboomer, der von den Finanzakteuren bei der Pensionierungsfrage umworben wurde, empfand er die PKS als zuverlässige Ratgeberin.
Piero Cereghetti
Der langjährige HR-Leiter der SRG und Präsident des PKS-Stiftungsrates geht in Pension. Im Interview geht er auf die prägendsten Entscheide und Errungenschaften während seiner Präsidialzeit ein.
